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Funkwetter & Ausbreitungsvorhersage

Aktuelle Funkwetterdaten

SN 52 SFI 109 Ak 7 K 3

Das aktuelle Funkwetter

mit Tom Kamp (DF5JL)
erstellt am 06.08.2022

DXers Fastenzeit und ein riesiger Sonnenfleck auf der Sonnenrückseite

Für DXer mussten sich die letzten Tage wie eine Fastenwoche anfühlen. Wurden sie in den letzten Monaten von der über den Erwartungen liegenden Entwicklung des solaren Zyklus 25 verwöhnt, so hatte die Sonnenaktivität in dieser Woche weiter abgenommen. Die durchschnittliche tägliche Sonnenfleckenzahl sank unter 37 Einheiten, der durchschnittliche solare Flux auf knapp 96 - gegenüber rund 108 in der Vorwoche. Das 20-m-Band schloss zeitweilig in der Nacht, und auch tagsüber waren die schlechten Bedingungen vor allem oberhalb 20 MHz deutlich spürbar. Darüber konnten auch einige Sporadic E-Öffnungen oberhalb 25 MHz nicht hinweg täuschen. Große Aufmerksamkeit wird daher den nächsten Wochen gewidmet sein, wenn wir uns langsam von den sommerlichen Bedingungen auf den Kurzwellenbändern verabschieden und sowohl die Höhe der F-Region wie auch die 10,7-cm-Strahlung (hoffentlich) wieder zunimmt.

Die Weltraumwettergruppe der US-Luftwaffe ist diesbezüglich in ihrer Langfristprognose nicht ganz so zuversichtlich: Für die kommende Woche gibt sie zwar durchschnittliche Werte von rund 114 Einheiten für den solaren Flux an. Doch soll dieser bis Ende August auf 92 Einheiten fallen. In der ersten Septemberhälfte wird dann wieder ein Anstieg erwartet. Dennoch bleiben auch hier die erwarteten Werte knapp unterhalb der magischen Marke von 100.

Und auch die Meteorologen der US-Wetterbehörde NOAA bringen uns nicht gerade das, was man eine frohe Botschaft nennen könnte: Sie prognostizieren für die kommenden Tage eine ruhige bis moderate Geomagnetik, erwarten aber zur Monatsmitte aktive bis stürmische Perioden.

Bei dieser Entwicklung mag es nicht wundern, dass in den letzten Tagen ein Phänomen Aufmerksamkeit errang, über das sogar das US-amerikanische Magazin Newsweek berichtete: ein Sonnenfleck auf der Sonnenrückseite, der so riesig sei, dass er die Schwingungen der Sonne verändere (https://bit.ly/3oZmYcB).

Nun können wir nicht durch die Sonne hindurch bis auf deren Rückseite blicken. Mit einer Technik, die als Helioseismologie bekannt ist, können Wissenschaftler dennoch Sonnenflecken auf der Rückseite der Sonne aufspüren. Das Verfahren beruht darauf, dass sich Schallwellen durch das Innere der Sonne ausbreiten. Diese Schallwellen können wiederum durch Beobachtung des Lichts gemessen werden, das turbulentes Gas auf der Sonnenoberfläche abgibt. Die Messung von Veränderungen in den Wellenmustern auf der sichtbaren Seite der Sonne ermöglicht es nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Sonnenflecken auf der anderen Sonnenseite zu vermessen. Aktuelle helioseismische Karten zeigen den großen Sonnenfleck nicht weit hinter dem südöstlichen Rand der Sonne! Das heißt, der Sonnenfleck wird sich in ein paar Tagen der Erde zuwenden. Und könnte uns noch so manchen Flare-Ausbruch liefern.

Für die kommenden Tage wird aufgrund eines neuen koronalen Lochs schneller Sonnenwind mit Geschwindigkeiten von 500 Kilometer pro Sekunde und mehr erwartet. Das wird sich ungünstig auf die Geomagnetik auswirken und damit auf den Funkverkehr vor allem auf den unteren Bändern. Die MUF der F2-Schicht für eine Distanz von 3000 km erreicht tagsüber meist 16 bis 21 MHz, nachts sinkt sie auf bis zu 11 MHz. Vereinzelt wird es zu kurzzeitigen 10-m-Bandöffnungen durch Sporadic E kommen. Die Chance darauf wird aber von Woche zu Woche geringer.

Allen einen störungsfreien Empfang, 73 Tom DF5JL - mit aktuellen Infos von DK0WCY, SWPC/NOAA, OK1HH, USAF 557th Weather Wing, KMI Belgien (Ionosonde Dourbes), IAP Juliusruh, SANSA South African National Space Agency, DL1VDL/DL8MDW/DARC-HF-Referat, Funkwetterbeobachtungsstelle Euskirchen (FWBSt EU), DF5JL


Aktueller Status Ausbreitungsbedingungen Kurzwelle nach Band


Aktueller Status Bandöffnungen 50 MHz und VHF

Spodardic-E 50 MHz:


Spodardic-E 144 MHz:


© http://www.gooddx.net

Weiterführende, anschauliche Erklärungen zu den hier verwandten Begriffen und deren Möglichkeiten der Interpretation finden Sie im Kapitel Funkwetter einfach erklärt.

Aktuelle Messwerte DKØWCY

Herausgegeben von der Aurorabake DKØWCY. Die Bake strahlt die aktuellen Messwerte auch auf Kurzwelle aus. Sendezeiten und Frequenzen finden Sie unter www.dk0wcy.de.

© DKØWCY, mit freundlicher Genehmigung